Klangkunst - Heinz Weber

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Hamburg am Wasser - ich höre Brücken

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Hamburg am Wasser - ich höre Brücken
(Werkbeschreibung)

Ein "soundscape" von Hamburg, ein Klangbild der Stadt, komponiert nach zwei thematischen Vorgaben: "Querschnitt" und "Brücken". Hamburg ist Hafenstadt - ist Stadt mit/am Wasser. Hamburg ist die Stadt mit den meisten Brücken Europas. Diese Charkteristika bilden die Grundlage, auf der eine notwendige Auswahl von Klangorten und Klanggeschehnissen getroffen wird, die verwendet werden sollen. Es geht mir bei dieser Auswahl nicht darum, ein Portrait ausschließlich mit Klangspezifika und akustischen Wahrzeichen von Hamburg zu schaffen (vom Turmbläser der Michaeliskirche bis zu den "Hafenrundfahrt"-Rufern an den Landungsbrücken), sondern, ohne diese auszuschließen, eine möglichst unbelastete Streuung zu erreichen.

 

Die "Brücken"-Thematik gliedert sich in vier Bereiche, entprechend der Verkehrssysteme "Fußgänger - Auto - Bahn - Schiff":

- Fußgängerbrücken (Verkehrsbrücken, Brücken in Parks, Zierbrücken,

z.B. "Japanischer Garten")

- Autobrücken

- Bahnbrücken

- Schiffsbrücken (die grossen Hafenbrücken: Köhlbrand-, Kattwyk-, Rethebrücke; Landungsbrücken, Pontons, Anleger).

 

Als "Querschnitt" habe ich den Verlauf der Wandse gewählt, die als Rinnsal im Nordosten in der Nähe von Siek bei Ahrensburg entspringt, durch Rahlstedt und Wandsbek fließt, als Eilbekkanal am Schwanenwik in die Alster mündet. Sie verläuft weiter durch die Schleusenbrücke beim Rathaus via Schaartorschleuse in die Elbe (City Hafen) und schließlich im Westen aus dem Hamburger Stadtgebiet Richtung Cuxhaven.

 

Diese Vorgaben liefern die Koordinaten für Orte in der Stadt, von denen aus oder um die herum Klang- und Geräuschmaterial "gesammelt" wird. Ich verstehe diese Orte als Ausgangsbasen, von denen aus ich das Umfeld nach Klanggeschehen oder Klanggeschichten untersuche. Das zu findende Material ist vorab nicht determiniert und begrenzt sich nicht auf Verkehrs- und Wassergeräusche

Dem reinen Geräuschmaterial, bestehend aus O-Tönen, wird eine weitere Kompositionsebene zugeordnet - eine Reflexion auf meine persönliche Perspektive, auf die Subjektivität dieser Arbeit. Bei vorbereitenden Recherchen habe ich in der Bibliothek das Stichwort "Brücke" in den Computer eingegeben. Von der Literaturliste, die ich damit erhielt, waren zwei Bücher im momentanen Bestand ausgewiesen:

 

- Rolf Schneider: "Die Brücken"

Ein Erzählband mit Kriegs- und Nachkriegsgeschichten, darin enthalten die Erzählung: "Die Brücken" (ein deutscher Soldat soll in Holland für die Wehrmacht Tuch kaufen. In einer Bar werden ihm seine Papiere gestohlen, er wird auf der Strasse aufgegriffen, einem Judentransport zugeteilt und deportiert)

- Richard Fester: "Die Eiszeit war ganz anders"

R. Fester, ein Paläolinguist, stellt seine Theorie vor, wonach während der letzten Eiszeit eine feste Verbindung zwischen Europa und Amerika bestanden hat, über die eine Populisierung Amerikas von Nord nach Süd erfolgte. Diese Theorie gründet er auf vergleichende Untersuchungen von Wortstämmen von Sprachen aus allen Kontinenten.

 

Aus der Schneider-Erzählung wird jeweils die wörtliche Rede extrahiert. Der vollständige Text wird entlang einer Zeitachse auf die Länge der gesamten Arbeit "gestreckt" (siehe nachstehende "Kompositionsstruktur"). Diese "Sprachextrakte" können damit genau in die Komposition eingepaßt werden.

Aus der Arbeit von Richard Fester werden Wortgruppen und Modulationen des Urwortes "acq" (Wasser) als Textmaterial verwendet für zwei Sequenzen in der gesamten Komposition, die ausschliesslich für Stimmen komponiert sind.

 

Eine wesentliche Grundlage meiner Arbeit ist die Entwicklung der Kompositionsstruktur nach graphischen/visuellen Informationen aus dem jeweiligen Themenbereich heraus.

 

Dies sind hier im Wesentlichen zwei graphische Komponenten.

 

Eine graphische Komponente ist der Verlauf der Wandse in ihrem ersten Stadium von der Quelle bis zum Kartenende auf der "Topographischen Karte L 2326 Hamburg-Fuhlsbüttel"

(1 : 50 000).

 

Eine zweite bildet das Muster der Ornamente im Geländer der Schwanenwik-Brücke. Die im Laufe der Zeit abgebrochenen Zacken der einzelnen Segmente bilden ein interessantes rhythmisches Gesamtmuster.

 

Aus diesen und anderen graphischen Komponenten ergeben sich folgende Kompositionsstrukturen und Parameter:

 

- eine Gesamtlänge des Hörstückes von 39’55’’ min.

- 8 Themengruppen + 2 Intermezzi für Stimmen

- die Zeitlänge jeder Sequenz ist exakt determiniert

- die "Dichte" - Anzahl der Einzelgeräusche bzw. Events oder kompositorische Parameter pro Sequenz - ist vorgegeben.."